Buchrezension - "Schmetterling im Sturm" von Walter Lucius

Quelle: Suhrkamp Buchverlag
Endlich habe ich mich durch diesen komplexen umfangreichen Thriller gekämpft!
Ich war ja total gespannt auf dieses Debüt von Walter Lucius, denn die Leseprobe hatte wahnsinnig fesselnd angefangen:
Ein Mädchen wird angefahren und schwer verletzt liegen gelassen. Als der Krankenwagen eintrifft stellen die Ärzte fest, dass das Mädchen gar kein Mädchen ist, sondern ein Junge.
Die Journalistin Farah, die zufällig im Krankenhaus ist als der Junge eingeliefert wird, wird auf den Fall aufmerksam. Denn der Junge stammt aus ihrer Heimat Afghanistan. Dass der Junge Mädchenkleidung trug erinnert Farah an ein schreckliches afghanisches Ritual und sie kann nicht glauben, dass dieses Ritual nun den Weg in die Niederlande gefunden hat.

Doch damit nicht genug. Im Verlauf der Geschichte werden immer mehr Menschen erwähnt - immer mehr Handlungsstränge erzählt.
Neben Farah ist da noch die Ärztin Danielle Bernson, die den Jungen an der Unfallstelle verarztet hat und ihre ganz eigenen Interessen zu verfolgen scheint. Oder das Ermittlerteam Calvino und Diba - Calvino der smarte Nachwuchs-Polizist der sich sofort zu Farah hingezogen fühlt, Diba der unsympathische Taugenichts der nichts mehr auf die Reihe bekommt. Paul Chapelle, Sohn eines erfolgreichen Journalisten, durch seine Vergangenheit mit Farah verbunden. Um nur ein paar der vielen vielen Personen zu nennen.

Ich denke, der Autor hat sich mit diesen vielen Erzählsträngen auch etwas viel vorgenommen. Auf den ersten Seiten wird viel in die Vergangenheit geblickt, man erfährt viel über jeden einzelnen Charakter, was jedoch nicht zum Verlauf der Geschichte beiträgt, der Junge - der zu Anfang doch Hauptperson war - wird immer mehr zur Nebenrolle. In manchen Kapiteln spielte er überhaupt keine Rolle und ich musste mich oft zum Weiterlesen zwingen, wenn es gerade wieder um irgendwelche politischen Verwicklungen ging. Durch die vielen verschiedenen Charaktere habe ich schon ab und an mal den Faden verloren - es fällt schwer, der Geschichte zu folgen. Und das hat mich sehr enttäuscht - die Leseprobe hatte mehr verprochen.

Erst die letzten 150 Seiten fand ich wirklich richtig spannend und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Denn hier führen plötzlich alle Handlungsstränge wieder zu einem einzigen zusammen und es passiert innerhalb kürzester Zeit soviel, dass ich mich gefragt habe, ob dieser Teil des Buches vom selben Autor geschrieben wurde.

Wenn diese letzten Seiten nicht gewesen wären, hätte ich das Buch wohl enttäuscht und gefrustet weggelegt. So habe ich immerhin einen spannenden Schluss erlebt, wenn sich auch der überwiegende Teil sehr in die Länge gezogen hat.

Im Klappentext wird erwähnt, dass "Schmetterling im Sturm" der erste Teil einer Trilogie ist. Wenn man dies nicht wüsste, könnte man aber auch gut mit dem Ende des Buches leben. Ohne viel verraten zu wollen: es handelt sich um ein offenes Ende und man kann es sich in verschiedenen Weisen zu Ende denken. Ob ich die nächsten Teile lesen werde, kann ich noch nicht sagen. Das Buch war im Ganzen einfach nicht spannend genug.


Meine Rezension findet ihr ebenfalls auf vorablesen.de - von dort bekam ich das Buch zur Verfügung gestellt. 



Daten zum Buch:
Titel: "Schmetterling im Sturm" (Band 1 der "Heartland Trilogie")
Autor: Walter Lucius
Verlag: Suhrkamp
Genre: Thriller
Seitenzahl: 569
ISBN: 978-3-518-46544-8
Erschienen am: 15.09.2014

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Kringelige Haselnuss-Schnecken

sommerlich leichte Erdbeer-Joghurt-Schnitten

Buchrezension - "Das Paket" von Sebastian Fitzek